Gut sechs Monate nach dem Release von Europa Universalis V bringen Entwickler Paradox Tinto und Publisher Paradox Interactive die erste Erweiterung für das komplexe Grand-Strategy-Schwergewicht heraus. Bei Fate of the Phoenix handelt es sich um ein sogenanntes „Immersion-Pack“, das diesmal das Byzantinische Reich in den Fokus rückt. Ich habe die letzten Tage intensiv in der Welt von Europa Universalis V verbracht und möchte euch in diesem Review die neuen Inhalte vorstellen und meine persönliche Meinung dazu teilen.
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Wer denkt, er könne gemütlich sein byzantinisches Imperium aufbauen, wird direkt zum Kampagnenstart eiskalt erwischt. Fate of the Phoenix wirft die Spieler nämlich in eine absolute Stresssituation. Wir starten mit viel zu hohen Ausgaben, die Inflation sorgt für Preissteigerungen und Stabilität ist quasi nicht vorhanden. Zudem lauern ringsherum Serbien, Bulgarien und der historische Aufstieg der Osmanen.
Das Herzstück von Fate of the Phoenix ist das neue Katastrophen-System, wodurch sich das Spiel von Beginn an wie ein Wettlauf gegen die Zeit anfühlt. Wir sind permanent damit beschäftigt, Brände in unserem Reich zu löschen, während der ohnehin schon knackige Gameplay-Loop von Europa Universalis V hier noch einmal eine Stufe hektischer und unerbittlicher wird. Wenn wir beispielsweise unsere Rivalen falsch wählen, verbauen wir uns schnell essenzielle Mechaniken. Fehler verzeiht das Spiel somit gar nicht.
Und das sorgt zumindest bei mir, der ich noch immer nicht so tief in den Mechaniken von Europa Universalis V drin stecke, erst einmal für Frust. Wie soll ich mit den massiven Verlusten, der mangelnden Stabilität und der Gefahr durch unsere Nachbarn umgehen? Hier gilt es, sich immer tiefer in die Spielmechaniken reinzuarbeiten.
Neue Inhalte und strategische Tiefe
Paradox hat dem DLC einiges an spielerischen Inhalten spendiert, die sich nahtlos in die Systeme des Hauptspiels einfügen. Ein Beispiel hierfür ist die Byzantinische Bürokratie: Hier können wir entscheiden, ob wir an den alten Strukturen festhalten, um Rom in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, oder ob wir das Risiko eingehen und einen moderneren Weg wählen. Außerdem können wir uns entscheiden, ob wir uns mit den lateinischen Mächten gutstellen oder unsere römische Unabhängigkeit stärken. All dies hat seinen Preis und entsprechende Vor- und Nachteile für unser Reich.
Abgerundet wird der DLC durch neue historische Events, neue Einheiten- und Stadtmodelle (die Theodosianischen Mauer sieht cool aus!) sowie einen atmosphärischen Soundtrack, der die epische, aber düstere Stimmung perfekt einfängt.
Das Urteil der Community und eigene Frustration
Die Steam-Bewertungen für Fate of the Phoenix sprechen aktuell leider eine recht deutliche Sprache: Mit einer Wertung im größtenteils negativen Bereich hat sich Paradox bei den Byzanz-Fans scheinbar keine Freunde gemacht. Die Kritik der Community lässt sich im Wesentlichen auf das Kernproblem herunterbrechen, dass sich der DLC für viele Spieler eher nach Arbeit und Bestrafung als nach echtem Spielspaß anfühlt.
Besonders das neue, exklusive Verwaltungssystem für Byzanz treibt die Spieler reihenweise in den Ruin, da die bürokratischen Kosten im späteren Spielverlauf förmlich explodieren. Wer diese teuren Strukturen wieder abbauen möchte, sieht sich gezwungen, Unmengen der ohnehin schon knappen Stabilität zu opfern, was oft in einer frustrierenden Abwärtsspirale endet. Ich selbst kann das so bestätigen. Darum wird Byzanz auch für meine nächsten Versuche keine Option sein.
Der zeitgleiche Patch 1.2 („Echinades“)
Was man aber auch nicht vergessen darf: Einige der Reviews beziehen sich weniger auf den DLC selbst als auf den damit veröffentlichten, riesigen Patch 1.2 („Echinades“). Der Patch umfasst über 300 Anpassungen am Gameplay, an der KI sowie dem UI und beinhaltet diverse Bugfixes. Zudem wurden neue Features hinzugefügt, wie Inhalte für Griechenland und den Balkan oder ein überarbeitetes Handelssystem inklusive der Möglichkeit, der KI Handelsaufträge zu erteilen. Auch eine neue Maximalstufe für Städte und vieles mehr sind mit an Bord. Die Möglichkeit, zukünftige Ereignisse und deren Voraussetzungen vorab einzusehen, finde ich persönlich zwar nicht so gut, aber auch das ist nun machbar. Wer sich die gesamten Patchnotes einmal anschauen möchte, wird im Europa Universalis V Wiki fündig.
Dämpfer für die Immersion
Was mir bisher aber wirklich negativ aufgefallen ist, sind die teilweise fehlende Übersetzung und mangelnde Beschreibungen. Gerade für die Immersion sind Beschreibungsfelder, in denen lediglich „TODO: Write a Desc“ steht, ein Graus. Ich weiß aktuell nicht, ob das ein spezifisches Problem der deutschen Übersetzung oder ein genereller Fehler ist. Aber ich persönlich kann mir Europa Universalis V aufgrund der sehr hohen Komplexität auch nur sehr schwer auf Englisch vorstellen.
Fazit: Für wen lohnt sich der DLC?
Für wen ist der DLC nun geeignet? Meiner Meinung nach richtet sich Fate of the Phoenix eher an SpielerInnen, die schon sehr tief in den Mechaniken von Europa Universalis V drinstecken und eine echte Herausforderung suchen. Für Spielende, die noch am Anfang stehen und die Grundlagen des Spiels erst noch verinnerlichen müssen, würde ich den DLC hingegen nicht empfehlen.





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