Wer sich schon immer gefragt hat, wie es wäre, fünf Jahrhunderte voller Intrigen, Diplomatie und Machtspielen in eigene Hände zu nehmen, bekommt mit Europa Universalis V das perfekte Spielfeld geboten. Das neueste Grand-Strategy-Großprojekt von Paradox Interactive drückt dem Genre einen weiteren Epochenstempel auf – und fordert Neulinge wie Veteranen gleichermaßen heraus. Ob mir das Spiel gefällt, lest ihr in diesem Review

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Ich bin definitiv kein Europa Universalis-Veteran, doch Crusader Kings III und Stellaris gehören zu meinen Lieblingsspielen. Als Europa Universalis V schließlich angekündigt wurde, war ich hin- und hergerissen: Die Neugier überwog schnell der Skepsis und das erste Anspielen auf der GamesCom 2025 weckte direkt dieses „Das könnte cool werden!“-Gefühl. Nun nach den ersten Stunden nach Release spüre ich: Dieser Koloss ist alles andere als ein lockerer Feierabendzeitvertreib.

Das Spiel eröffnet den historischen Sandkasten mit einer riesigen Fülle von Möglichkeiten. Schon die Länderwahl am Anfang ist eine Entscheidung mit Tragweite, denn was folgt, sind mehrere Jahrhunderte Weltgeschichte – und jede kann nach eigenem Ermessen umgeschrieben werden. Gegen der Empfehlung vom Spiel würde ich allerdings eher ein mittelgroßes Land wählen, welches irgendwo zwischen 200K und 500K Einwohner hat. Was mir sehr gut gefallen hat, war das Tutorial welches Neulingen die ersten Hürden nimmt. Aber Europa Universalis V ist und bleibt auch eine Sandbox; fest geschriebene Storyquests oder klare Storylines sucht man hier vergeblich. Es zählt, wie kreativ und klug man die Geschicke seines Landes lenkt und so schreibt man halt seine eigenen Stories im Spiel.

Die Bevölkerung ist heterogen: Der Adel verlangt andere Privilegien als Bürger oder Gemeine, was mich direkt vor die Frage stellt, wie ich Zufriedenheit und Effizienz vereine. Produktionsausbau oder lieber neue Gesetze? Der Spielraum ist riesig. Selbst das Steuersystem ist ein Balanceakt. Wer seine Untertanen zu sehr zur Kasse bittet, riskiert Aufstände, wer zu lasch ist, plagt sich mit knapper Staatskasse und stagnierender Entwicklung. Genauso das Thema Nahrung, Stabilität und so weiter… Diese ganzen Spannungsfelder machen den Reiz aus und sorgen für etliche „Mist, das habe ich übersehen!“-Momente.

Außenpolitisch bietet der Titel zu dem eine Spielwiese für Diplomaten wie Kriegsherren: Gebietserweiterungen, Bündnisse, verräterische Allianzen… praktisch jeder geschichtliche Twist ist möglich, sofern genug Fantasie und Geduld dabei sind. Die schiere Fülle an Mechaniken kann dabei allerdings auch schnell für Überforderung sorgen, selbst für erfahrene Genre-Spieler. Zum Glück helfen diverse Tipps und Automatisierungsfunktionen, das Chaos gelegentlich zu ordnen.

Aus technischer Sicht kann ich nicht viel negatives rund um das Spiel sagen. Ja, am Anfang gab es noch einige Bugs und Probleme, aber ich blieb davon bisher glücklicherweise verschont oder hab vielleicht Dinge als Spielmechanik verstanden, die eigentlich ein Bug waren, wer weiß. Ich hatte ein paar Probleme mit der Deutschen Übersetzung. Teilweise warn hier Platzhalter oder andere Sprachen, aber das kam nicht wirklich oft vor. Von Abstürzen blieb ich zu dem verschont.

Was bleibt also nach den ersten Stunden? Europa Universalis V brennt ein grandioses Strategiespektakel ab – ist aber auch herausfordernd und definitiv nichts für schnelle Erfolgserlebnisse. Zu dem muss euch bewusst sein, dass ihr mit viel Wartezeit rechnen müsst, da die Auswirkungen von unseren Entscheidungen eine gewisse Zeit benötigen bis sie sich auswirken. Wer dran bleibt und dann noch die Feinheiten entdeckt, wird dafür mit „Was wäre, wenn“-Momenten belohnt, die keinen Durchgang wie den anderen erscheinen lassen. Für mich ist das Spiel ein spannender, fordernder Grand-Strategy-Vertreter, der im Genre durch die Komplexität und Möglichkeiten neue Maßstäbe setzt – solange man halt bereit ist, die nötige Zeit zu investieren.

Kleine Empfehlung noch von mir an diejenigen, die Lust haben sich hier tiefer einzuarbeiten. Schaut euch Tutorials an. Beispielsweise auf YouTube bei Gaius oder Karesak.