Wir kennen noch nicht einmal all die Geheimnisse in den Tiefen unserer eigenen Meere – warum also gleich ins Weltall? Genau mit diesem Gedanken bin ich im letzten Jahr von meinem Gamescom-Anspieltermin zu Life Below gegangen. Die Prämisse, die uns Publisher Kasedo Games und die Entwickler von Megapop da vorgesetzt haben, klang damals schon extrem spannend: Statt Betonwüsten hochzuziehen, lassen wir auf dem Meeresgrund lebendige Korallenriffe wachsen. Nun ist die Vollversion da, und ich konnte endlich tief in das nasse Element eintauchen, um zu sehen, ob das komplexe Unterwasser-Ökosystem auch auf Langstrecke motiviert.
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Wir schlüpfen in die Rolle von Wächterin Thalassa und übernehmen so die Kontrolle über das Geschehen auf dem Meeresgrund. Wer hier ein klassisches Anno unter Wasser erwartet, wird allerdings schnell umdenken müssen. Es geht nicht darum, Produktionsketten für Nahrung oder Luxusgüter zu optimieren, sondern die Natur im Gleichgewicht zu halten. Eingebettet ist das Ganze in einer Kampagne, deren Geschichte aus der Feder von Rhianna stammt. Die britische Autorin und Tochter des Fantasy-Schriftstellers Terry Pratchett ist keine Unbekannte, wenn es um Worldbuilding in Videospielen geht. Aus ihrer Feder stammen unter anderem die Geschichten des Tomb Raider-Reboots von 2013 sowie das Abenteuer Rise of the Tomb Raider. Ihre Handschrift merkt man Life Below in den Dialogen, den geschriebenen Logbüchern und der mysteriösen Rahmenhandlung deutlich an, was dem eigentlich eher simulationslastigen Genre eine unerwartete Tiefe verleiht.
Das Fundament des Gameplays bilden die Korallen. Durch das gezielte Platzieren verschiedener Arten verändern wir die Umgebung. Jede Koralle, jede Alge hat dabei spezifische Auswirkungen und zieht wiederum ganz unterschiedliche Meeresbewohner an – von kleinen Fischschwärmen bis hin zu majestätischen Meeres-Säugetieren. Es sorgt für ein ungemein befriedigendes Gefühl, wenn aus einer anfangs kargen Tiefsee-Wüste nach und nach ein buntes, pulsierendes Riff wird. Was auf der Gamescom in der kurzen Demo schon durchdacht wirkte, entfaltet in der Vollversion seine volle Komplexität. Das Spiel konfrontiert uns mit handfesten biologischen und physikalischen Faktoren. Wassertemperatur, Strömungen und vor allem der pH-Wert müssen im Auge behalten werden.
Siedeln wir zudem zu viele Algen an einer Stelle an, kippt das Mikroklima. Hinzu kommen Katastrophen, die beispielweise mal eben die Wärme unseres Biotops um mehrere Grad ansteigen lässt. Dieses Mikromanagement der Naturkräfte ist die eigentliche Herausforderung von Life Below. Es erfordert einiges an Planung und vorausschauendem Denken, da das Ökosystem oft erst verzögert auf unsere Eingriffe reagiert. Das kann für Frust sorgen, fühlt sich aber ungemein belohnend an, wenn ein mühsam ausbalanciertes Biotop endlich stabil läuft.
Schon letztes Jahr war ich von der Optik des Spiels sehr angetan, und das fertige Spiel enttäuscht hier absolut nicht. Die Lichteffekte, wenn die spärlichen Sonnenstrahlen durch die Wasseroberfläche bis in die Tiefsee dringen, sind super eingefangen. Dazu gesellt sich ein fantastisches Sounddesign. Das dumpfe Grollen des Ozeans, das sanfte Knistern der Korallen und das Vorbeiziehen großer Meeresriesen erzeugen eine dichte, fast schon meditative Atmosphäre. Man erwischt sich immer wieder dabei, einfach nur dem Treiben im eigenen Riff zuzuschauen.
Life Below hat die Vorschusslorbeeren von der Messe absolut gerechtfertigt. Megapop liefert hier keinen generischen Citybuilder ab, sondern eine frische, tiefgründige Strategie-Simulation, die den Fokus perfekt auf die Komplexität der Natur legt. Wer Lust auf ein unverbrauchtes Setting und anspruchsvolles Öko-Management hat, sollte hier definitiv abtauchen.






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