Nachdem wir gestern sehr sportlich in den Reviews unterwegs waren, geht es heute wieder „Back in Space“. Den Stellaris läutet mit dem neuen DLC Nomads und dem dazugehörigen Patch 4.4 „Pegasus“ eine völlig neue Art der galaktischen Fortbewegung ein. Wer wie ich bereits mehrere Hundert Spielstunden in Paradox’ Weltraum-Epos versenkt hat, kennt das klassische Prozedere: Grenzen abstecken, Systeme beanspruchen, Planeten kolonisieren und die eigene Farbe auf der Galaxiekarte verteilen. Doch was passiert, wenn wir all das mal über Bord werfen?

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Patch 4.4 „Pegasus“

Mit der neusten Erweiterung dreht Paradox das gewohnte Gameplay ein wenig auf Links und lässt uns, wie der Name es schon verrät, als wanderndes Volk durch die Galaxis ziehen. Doch bevor wir zu den Neuerungen des DLCs kommen, werfen wir erstmal ein Blick auf das kostenlose Update 4.4 mit dem Namen „Pegasus„, welches zeitgleich für alle Spielende erscheint. Paradox hat hier wieder mal an einigen Stellschrauben gedreht, die das Spiel vor allem komfortabler machen sollen.

Ein echter Segen für alle Mod-Liebhaber ist der neue – nennen wir ihn mal – Mod-Retter im Launcher. Denn wer kennt es nicht? Ein großes Update erscheint, man lädt voller Vorfreude sein mühsam aufgebautes Ironman-Savegame und – zack – das Spiel stürzt ab, weil veraltete Mods die Spieldateien zerschossen haben. Mit Patch 4.4 deaktiviert der Paradox Launcher bei großen Versionssprüngen installierte Mods nun automatisch. Versucht man zudem, einen inkompatiblen Spielstand zu laden, wirft uns das Spiel direkt zurück ins Hauptmenü, statt das Savegame irreparabel zu beschädigen. Ich selbst spiele zwar fast nie mit Mods, aber ich könnte mir vorstellen, dass es dem einen oder anderen viele Nerven spart.

Das Update führt neue diplomatische Optionen für Kriege ein, an denen ein Reich nicht als Hauptpartei beteiligt ist. Wir können nun über das Handelsmenü laufenden Kriegen beitreten oder diese vorzeitig verlassen. Ein vorzeitiger Ausstieg führt jedoch zu einem Waffenstillstand, verärgert den ehemaligen Verbündeten und erfordert die Zustimmung des Gegners, der bei einem drohenden Sieg oder schlechten Beziehungen diese Verhandlungen sicherlich verweigert.

Für Reiche, deren Kolonien vollständig vom Feind besetzt sind, wurden drastische Strafen eingeführt. Jeder Monat der kompletten Besetzung erhöht unter anderem die Kriegsmüdigkeit, was erst durch die Befreiung mindestens einer Kolonie gestoppt wird.

Der Patch bietet noch viele weitere kleine Verbesserungen und Bugfixes, welche ihr hier nachlesen könnt.

Nomads

Kommen wir nun aber zum Nomads-DLC. Der Leitsatz der Erweiterung lautet, keine Grenzen aufzubauen und keine Welten für sich zu beanspruchen. Und genau so dynamisch und frei spielt es sich auch, da wir anstelle von festen Außenposten permanent auf Achse sind.

Anstelle einer klassischen Heimatwelt starten nomadische Reiche mit einem gewaltigen Archeschiff. Dieses Monstrum ist unsere Kolonie, Raumwerft und Flaggschiff zugleich. Schon beim Spielstart entscheiden wir uns für eine von drei Spezialisierungen, die unseren gesamten Spielstil maßgeblich prägen. Die Militär-Klasse fungiert als fliegende Festung, mit der wir im Nu militärische Macht in jeden Winkel der Galaxie projizieren können. Wer sich lieber der Erforschung des Unbekannten verschreibt, wählt die Wissenschafts-Klasse, die als mobiles Riesenlabor direkt vor Ort forscht.  Und für wirtschaftlich orientierte Imperien bietet sich hingegen die Zivil-Klasse an, die als gigantisches Industriezentrum Ressourcen in beispielloser Geschwindigkeit abbaut.

Diese Archeschiffe lassen sich im Spielverlauf in drei Stufen aufwerten und mit Modulen sowie mächtigen Waffen anpassen. Es fühlt sich unglaublich befriedigend an, seine gesamte Zivilisation sicher im Bauch eines einzigen, gigantischen Raumschiffs zu wissen, während man durch diverse Systeme zieht.

Das Überleben ohne eigenes Territorium funktioniert in der Praxis durch geschickte Bewegung und enge Kooperation. Als Nomaden können wir in Systemen sogenannte Wegstationen errichten, ohne das jeweilige System politisch zu beanspruchen. Verbinden wir mehrere dieser Stationen, entsteht das Wayline-Netzwerk. Diese interstellaren Handelsrouten generieren wertvolle Ressourcen, sobald wir sie durchfliegen. Das Geniale daran ist, dass auch ansässige, statische Reiche von unseren Routen profitieren, was uns rasch zu begehrten und geschätzten Handelspartnern macht.

Zusätzlich sorgt das neue Kontraktsystem für eine ständige Beschäftigung und ein gutes Einkommen. Sesshafte Imperien können uns nämlich für spezielle Aufgaben anheuern, die von der Erforschung eines fernen Systems über militärische Schützenhilfe bis hin zur schnellen Ressourcenbeschaffung reichen. Schließen wir diese Verträge erfolgreich ab, winken uns Einfluss, Ressourcen und das Vertrauen der anderen Völker.

Wie gewohnt liefert Paradox mit diesem DLC auch fantastische neue Ursprünge mit hohem Wiederspielwert. Für alle, die das Nomadenleben ohne starre Vorgaben erlernen wollen, ist der Ursprung der Leerenfahrer der ideale und flexible Einstieg. Mein persönliches Highlight sind jedoch die Erben des Khans, bei denen wir die Nachfahren des ermordeten Großen Khans spielen. Gejagt von Kopfgeldjägern der Marodeure müssen wir uns durchschlagen, bis wir stark genug sind, um unseren rechtmäßigen Thron zurückzufordern. Das spielt sich hochspannend und verdammt fordernd.

Wer es hingegen spiritueller mag, begibt sich mit dem Ursprung „Heiliger Pfad“ auf eine Pilgerreise zu den heiligen Stätten der eigenen Vorfahren, die quer über die Galaxie verstreut sind. Für reichlich gesellschaftliches Drama sorgt schließlich der Ursprung Immerkreuzfahrt. Hier managen wir eine strikt getrennte Gesellschaft aus einer verwöhnten Luxus-Elite auf den Aussichtsdecks und einer völlig überarbeiteten Crew im Maschinenraum, was einen ständigen Drahtseilakt zur Verhinderung einer Meuterei darstellt.

Abgerundet wird das spielerische Paket durch die Schmiede der Champions, eine nomadische Gladiatoren-Enklave, die alle paar Jahre galaktische Flottenturniere veranstaltet, bei denen wir uns legendäre Relikte verdienen können. Wer es hingegen zerstörerischer mag, greift zur Stellaren Kanone. Diese neue Megastruktur bündelt unsere gesamten Energiereserven und jagt sie als verheerenden Strahl quer durch die Galaxie, um feindliche Planeten im Handumdrehen zu verwüsten. Natürlich dürfen auch neue berühmte Vorbilder, Staatselemente und Traditionen nicht fehlen, die den DLC entsprechend abrunden.

Fazit

Stellaris: Nomads ist ein absoluter Pflichtkauf für alle, die das Spiel lieben, aber nach Hunderten von Stunden das klassische „Farbe-auf-der-Karte-Ausmalen“ satt haben. Das Spielgefühl als Heimatloser ist erfrischend anders, dynamisch und extrem atmosphärig. Zusammen mit den hervorragenden Komfort-Verbesserungen des kostenlosen Patches 4.4 „Pegasus“ beweist Paradox einmal mehr, wie viel Leben auch nach zehn Jahren noch in diesem grandiosen Strategiespiel steckt. Wer schon immer mal wie ein echter Weltraum-Nomade von Stern zu Stern ziehen wollte, sollte hier definitiv zuschlagen!

KI Nutzung

Im Rahmen meines Reviews ist mir aufgefallen, dass Paradox auf der Steam-Seite von Stellaris inzwischen einen Hinweis zur Nutzung von KI hinzugefügt hat. Wann dies erfolgt ist, weiß ich allerdings nicht. Paradox nutzt für die Entwicklung also KI um – lt. eigener Aussage – Inhalte zu konzeptionieren und für visuelles Referenzmaterial. Zudem wurde die Stimme eines KI-Gegners und eines Beraters mittels KI erzeugt. Diese Nutzung soll aber nur einen sehr kleinen Teil der Gesamtentwicklung ausmachen, was ich mir bei dem Umfang des Spiels durchaus vorstellen kann.