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Humankind | Review

Seit Jahren beherrschen Firaxis Games und 2K mit Sid Meier’s Civilization VI den 4X-Rundenbasierten-Strategie-Markt. Allein auf Steam spielen im Schnitt ca. 50.000 SpielerInnen tagtäglich Civilization VI. Amplitude Studios wagen nun gemeinsam mit Publisher Sega ein Angriff auf Civilization. Ich hab nun gut 20 Stunden in Humankind verbracht und möchte euch heute in meinem Review davon berichten.

Was ist Humankind

Wem Civilization zum Beispiel nichts sagt, der wird sich nun natürlich zu Recht fragen “Was ist Humankind?” oder “Was bedeutet 4x?”. Humankind ist ein historisches rundenbasiertes 4X Strategiespiel, wobei das 4X für “explore”, “expand”, “exploit” und “exterminate” steht, also “erkunden”, “expandieren”, “ausschöpfen” und “vernichten”. Es gibt also eine Spielwelt, die wir erkunden, in der wir unser Reich expandieren, die Ressourcen ausschöpfen und zu guter Letzt andere Reiche vernichten. Wobei es immer mal andere Siegebedingungen gibt, sodass man die anderen SpielerInnen nicht zwangsläufig vernichten muss. Das Coole bei Humankind ist, dass wir uns nicht auf eine bestimmte Rasse oder Nation festlegen, sondern bei jedem Wechsel des Zeitalters eine neue Ausrichtung wählen können. Amplitude Studios spricht von der Möglichkeit so bis zu 60 historische Kulturen miteinander zu kombinieren.

Wie spielt sich Humankind

In Humankind starten wir lediglich nur mit einer Stammes-Einheit und erkunden zuerst das umliegende Gebiet, sammeln Nahrung, gehen auf die Jagd und untersuchen unter anderem Kuriositäten. Erst nachdem wir genügend Einfluss – eine der Hauptressourcen im Spiel – gesammelt haben, können wir unseren ersten Außenposten erreichten. Anders als in Civilization beanspruchen wir damit aber ein ganzes Gebiet für uns. Als Nächstes machen wir aus unserem Außenposten eine Stadt. Und damit nimmt die Geschichte dann ihren Lauf. Wir bauen Bezirke, verbessert die Infrastruktur, bildet Einheiten aus und erforscht neue Technologien. Wir erreichten Außenposten und nehmen so neue Gebiete ein, welche wir sogar an unsere Stadt angliedern können. In unseren Städten und Außenposten müssen wir darauf achten, dass ausreichend Nahrung und Geld produziert wird, aber auch die Industrie und Wissenschaft darf nicht aus den Augen verloren werden.

Um ins nächste Zeitalter voranzuschreiten, müssen wir eine bestimmte Anzahl an sogenannten Epochensternen verdienen. Es gibt dabei unterschiedliche Wege an diese Sterne zu kommen. So müssen wir zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Einfluss oder Gold verdienen, eine bestimmte Anzahl an Technologien erforschen oder eine bestimmte Anzahl an gegnerischen Einheiten vernichten. Haben wir die benötigten Epochensterne zusammen, können wir uns eine neue Ausrichtung aussuchen, welche uns bestimmte Vorteile, Bezirke oder Einheiten bringt. Man vermischt quasi die Zivilisationen der Zeitgeschichte zu einer neue komplett individuellen Zivilisation zusammen.

Neben den Entscheidungen in Sachen Ausbau, Erkundung, etc. kommt es im Spiel immer mal wieder zu Ereignissen, in denen wir die Wahl haben, wie wir als Volk agieren wollen. Je nach Auswahl gibt es dann Boni oder Mali, die sich auf unser Spiel auswirken und ein Stück weit unsere Geschichte mit schreibt. Zum Beispiel kann es zu einem heftigen Regen kommen und wir sollen entscheiden, ob wir ggf. Deichen bauen oder nicht. Deiche kosten natürlich Geld. Ob es tatsächlich zum Regen kommt, ist dabei reiner Zufall.

Das Spiel bietet noch einige mehr – meiner Meinung nach – interessante Aspekte (Diplomatie, Einheiten gruppieren, etc.) und es wirkt auf den ersten Blick vielleicht sehr komplex, aber ich würde behaupten, dass es nicht wirklich komplexer als zum Beispiel Civilization VI ist. Man muss sich halt erstmal etwas reinfuchsen.

Spielparameter

Wie bei jedem 4x Spiel bietet auch Humankind die verschiedensten Parameter für eine Partie. So könnt ihr zu Beginn entscheiden, ob ihr alleine oder Online mit Freunden spielen wollt. Einen “Cloud”-Spiel wie bei Civilization gibt es leider nicht. Bis zu zehn SpielerInnen können an einer Partie teilnehmen. Die Welt kann zwischen winzig (60*35 Felder) und riesig (150*88 Felder) groß sein. Wir entscheiden auch über das Profil der Welt, wollen wir zum Beispiel eine riesige Landmasse oder viele kleine Kontinente? Außerdem entscheiden wir über das Klima, die Wahrscheinlichkeit von Inseln und und und. Wir können zusätzlich wählen, ob wir die Partie blitzschnell oder endlos spielen wollen.

Dies entscheidet darüber, wie viele Runden unsere Partie gehen soll. Natürlich gibt es auch unterschiedliche Endbedingungen. Die meisten Ruhmespunkte sammeln, das letzte Reiche auf der Welt sein oder Gewinner im Wettrennen ins All. Wenn es ganz dumm läuft, endet das Spiel aber auch eher, weil unsere Welt ggf. unbewohnbar geworden ist, also sollten wir auch in Bezug auf die Umwelt etwas vorsichtig sein.

Da wir in Humankind keine fixe Nation spielen, haben wir übrigens die Möglichkeit unser Alter Ego in einem Charaktereditor selbst zu designen. Und es kommt sogar noch besser, denn wenn wir wollen, können wir anderen Spielern unsere KI-Persona als Gegner zur Verfügung stellen. Dabei wählen wir bis zu drei Archetypen, zwei Stärken und zwei Neigungen aus um das Handeln der KI zu definieren. Die entsprechenden Punkte müsst ihr aber erst erspielen, sodass sich der Charakter sich eher nach eurem Spielstil verhält, statt eine X-bielibig Figur erstellen zu können. Finde diese Möglichkeit ziemlich cool. Solltet ihr übrigens eine KI-Persona erstellt haben, so sagt mir gerne mal Bescheid, würde gerne mal gegen KI Gegner von Freunden, Bekannten oder Lesern spielen wollen.

Technik

Hier gibt es gar nicht viel zu sagen. Ich finde, Humankind sieht wundervoll aus und auch der Sound passt gut ins Spielgenre. Zuerst hat mich die Stille zwischen den Musikstücken etwas irritiert, aber dies ist so gewollt und kann auch in den Einstellungen angepasst werden. Das Spiel bietet englische Sprachausgabe, die Oberfläche kann aber unter anderem auf Deutsch, Englisch, Spanisch oder auch Französisch gestellt werden. Abstürze oder technische Probleme hatte ich während meiner inzwischen gut 20 Spielstunden nicht. Den Multiplayer Modus konnte bisher noch nicht testen, hier soll es aber wohl manchmal zu Synchronisationsproblemen kommen.

Also alles toll in Humankind?

Mensch, das klingt ja alles soweit echt toll. Muss ein tolles Spiel sein. Ja, ist es auch. Zumindest habe ich viel Spaß mit Humankind, ABER… natürlich hat auch dieses Spiel so seine Probleme. Da wäre zum Beispiel das Tutorial, welches einen zu Beginn an die Hand nehmen möchte. Leider gelingt dies meiner Meinung nach gar nicht gut, denn es sorgt gerade bei Einsteigern für jede Menge Verwirrung. Insbesondere wenn dann plötzlich gefühlt 10 Pop-ups auftauchen und man nicht mehr weiß, was man eigentlich machen wollte bzw. sollte, damit das Tutorial weiter geht.

Außerdem können wir das Tutorial nicht nochmal starten, wenn man es abgebrochen hat oder es einfach nochmal spielen will. Zumindest habe ich in den Menüs nichts dazu gefunden. Dafür gibt es aber 13 komplett synchronisierte Tutorialvideos, welche uns dann ggf. weiterhelfen können. Viel mehr gibt es aus meiner Sicht aber sonst nicht zu meckern.

Fazit

Ich persönlich finde Humankind toll und zwar nicht als CIV-Killer, sondern als ein tolles 4X Spiel mit interessanten Ansätzen. Das Mischen von Zivilisationen und die unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten laden mich außerdem zum mehrfachen Spielen ein und erhöhen so den Wiederspielwert massiv. Ich hoffe, dass ich es demnächst nochmal in der einen oder anderen Multiplayerpartie testen kann, aber bis dahin werde ich bestimmt auch im Singleplayer noch die ein oder andere Stunde verbringen.

Informationen

Release Datum: 17. August 2021

Entwickler / Publisher: Amplitude Studios / Sega

Plattformen: Windows PC

Preise/Versionen: Humankind gibt es unter anderem im EPIC Store oder bei Steam. In der Standard-Version kostet das Spiel 49,99 Euro. Die Digitale Deluxe Edition schlägt mir 59,99 Euro zu buche, diese bietet neben dem Spiel folgendes:

  • Humankind Soundtrack als MP3
  • Einheiten & Technologie Poster als PDF und
  • das Notre Dame Paket

Wer übrigens den Xbox Game Pass hat (Ultimate oder “für PC”), der kann das Spiel ohne weitere Kosten in der Standard-Version zocken.

Ich bedanke mich recht herzlich bei den Entwickelnden bzw. Publisher für die Bereitstellung des Testmusters.

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